IPA — Individuelle Praktische Arbeit der FaBe-Lehre
Die IPA (Individuelle Praktische Arbeit) ist der praktische Teil des Qualifikationsverfahrens FaBe. Sie wird im Lehrbetrieb durchgeführt, vom Berufsbildner/von der Berufsbildnerin und einer externen Expertenperson begleitet, und prüft, wie du eine reale Betreuungs-Aufgabe planst, durchführst, dokumentierst und reflektierst.
Geprüft werden in der IPA konkret: die fachliche Planung (Bezug zu HKB, ressourcenorientierte Zielsetzung, methodische Begründung), die Durchführung im Betrieb (Beziehungsgestaltung, Sicherheit, Anpassung), die schriftliche Dokumentation (Beobachtung, Reflexion nach Kolb/Schön, Quellen) und das Fachgespräch (Begründung der Entscheidungen, Theorieverweise, Selbstkritik).
Auf FaBefit übst du IPA-relevante Bausteine: SMART-Förderziele formulieren, Reflexions-Einträge nach Kolb-Lernzyklus, Konzept-Begründungen für das Fachgespräch (z.B. 'Warum arbeitet eure Kita nach Reggio?'), und sauberes Dokumentieren ohne Wertungen. Mit Lösungsweg, Bewertungsrastern und Beispielen aus allen vier Fachrichtungen.
Das musst du können
- IPA-Aufgabe planen: SMART-Ziel, methodische Begründung, HKB-Bezug
- Durchführung dokumentieren: Beobachtung sachlich, Datum, Zeit, Kontext
- Reflexion nach Kolb: konkrete Erfahrung → Reflexion → Theoriebezug → nächster Schritt
- Reflexion nach Schön: reflection-in-action (während) und reflection-on-action (nachher)
- Quellen in der IPA-Dokumentation: Bildungsplan, Konzepte (Montessori/Reggio/Validation), Fachliteratur
- Fachgespräch: eigene Entscheidungen begründen, ohne in die Defensive zu gehen
- Bewertungsraster IPA: Fachkompetenz, Methoden-, Sozial-, Selbstkompetenz
- Häufige IPA-Fehler vermeiden: wertende Dokumentation, fehlende Reflexion, Theoriebezug nur als Dekoration
Beispielaufgaben
8 Aufgaben aus dem ArchivAb wann ist die vorliegende Wegleitung zum Qualifikationsverfahren FaBe gültig?
- A16. Juni 2005
- B1. September 2015
- C1. September 2023
- D1. Januar 2015
«Anwenden von transversalen Kompetenzen» ist einer der 6 Handlungskompetenzbereiche (HKB A) der FaBe-Grundbildung.
Situation:
Persönliche Angaben Roman ist 22 Jahre alt, hat eine Trisomie 21 und wohnt seit einem Jahr in der Wohngruppe Tannweg. Er möchte lernen, selbständig den Bus zur Werkstatt zu nehmen (10 Minuten Fahrt, eine Umsteigestelle). Berufsbildner Herr Eyer hat Sie beauftragt, mit Roman einen Förderplan zu erstellen.
Aufgabe: Beschreiben Sie in einem zusammenhängenden Text (5–7 Sätze) drei zentrale Bestandteile eines Förderplans (Zielformulierung nach SMART, Teilschritte mit Methoden, Evaluation) für Romans Vorhaben. Begründen Sie für jeden Bestandteil seine Funktion.
Welche psychosoziale Krise beschreibt Erikson für das Alter «40–65 Jahre (Erwachsenenalter)»?
- AUrvertrauen vs. Urmisstrauen
- BGenerativität vs. Stagnation
- CAutonomie vs. Scham/Zweifel
- DInitiative vs. Schuldgefühl
Arbeiten mit Gegenständen, die mit gesundheitsgefährdenden Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten kontaminiert sein können, gelten laut Quellentext als gefährliche Arbeiten.
Welche drei Elemente nennt der Bildungsplan als Grundlage professionellen Handelns in der Handlungskompetenz a1?
- ABerufsrolle, Datenschutz und Schweigepflicht
- BDiagnosestellung, Therapieplanung und Dokumentation
- CBudgetierung, Personalplanung und Qualitätskontrolle
- DMarketing, Verkauf und Kundenbeziehung
Welches Beispiel illustriert b7.4 (ausgewogenes Verhältnis zwischen Innen- und Aussenaktivitäten)?
- AEine ganze Woche ausschliesslich im Schlafzimmer.
- BEin Wochenplan mit täglichen Spaziergängen
- CKeine planbaren Aktivitäten – nur Zufall entscheidet.
- DNur Aussenaktivitäten, egal bei welchem Wetter.
Die FaBe kann Partizipation auch dann fördern, wenn die betreute Person nur wenige Minuten konzentrationsfähig ist.
Häufig gefragt
Wann findet die IPA statt?
Im letzten Lehrjahr, in den Monaten vor Lehrende. Genauer Termin wird mit Berufsbildner:in, Lehrbetrieb und externer Expertenperson abgestimmt. Die schriftliche QV Berufskenntnisse findet typischerweise Mitte Juni statt — IPA läuft zeitlich flexibel davor oder parallel im Betrieb.
Wer bewertet die IPA?
Zwei Personen: dein:e Berufsbildner:in (kennt dich) und eine externe Expertenperson (sieht dich nur in der IPA-Phase). Beide vergeben unabhängig Noten in den Bereichen Fachkompetenz, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz. Bei Differenz wird verhandelt; bleibt sie, entscheidet die Prüfungskommission.
Was zählt im Fachgespräch?
Das Fachgespräch ist Teil der IPA. Du wirst zu deiner Aufgabe befragt — Warum hast du diese Methode gewählt? Was hättest du anders gemacht? Welches Konzept liegt der Einrichtung zugrunde? Erwartet werden Begründungen mit Theoriebezug (Konzepte, Modelle), nicht Selbstkritik oder Verteidigung.
Wie umfangreich ist die IPA-Dokumentation?
Je nach Kanton 10–25 Seiten. Sie enthält Aufgabenstellung, Planung mit Zielen, Durchführung mit Beobachtungen, Reflexion und Quellenverzeichnis. Wertende Sprache, fehlende Quellen oder Theorie als Dekoration ('habe Piaget gelesen') werden negativ bewertet — Theoriebezug muss die Entscheidung tragen.
Was wenn ich die IPA nicht bestehe?
Die IPA kann einmal wiederholt werden — meist im Folgejahr mit verlängertem Lehrvertrag oder neuer Aufgabenstellung. Die schriftliche QV Berufskenntnisse muss separat bewertet werden. Sprich frühzeitig mit Berufsbildner:in und kantonalem Berufsbildungsamt, wenn sich Schwierigkeiten abzeichnen.